16.05.2017: Vortrag von Sarah Zoabi und Oliver Vrancovic aus Israel.



Sarah Zoabi ist muslimische Araberin, die sich als Zionistin und israelische Patriotin bezeichnet. Sie erzählte von ihren Beweggründen und sprach über die Anfeindungen, die sie täglich erfährt. Sarah berichtete auch über die wachsende Gruppe in dem arabischen Bevölkerungsteil, der sich der antiisraelischen Stimmungsmache widersetzt und über den Zuspruch für ihre Äußerungen, den sie häufig von jüdischen Israelis erhält.

Oliver Vrankovic, der die letzten Jahre die multikulturelle israelische Gesellschaft erforscht, übersetzte Sarahs auf Hebräisch gehaltene Rede.

Sarah ist gläubige Muslimin und Anhängerin der puristischen Korani-Sekte, die den Juden das Recht auf das »Heilige Land« zuspricht. Nach Sarahs Meinung ist der Nahostkonflikt vor allem ein Religionskrieg. Sie, eine »muslimische Araberin mit Kopftuch«, betonte, dass es den Arabern in Israel gut gehe. Israel stehe trotz des Terrors, dem das Land ausgesetzt ist, für Gleichberechtigung, Menschenrechte und Demokratie. Viele Araber in aller Welt wüssten nicht, dass in Israel eine Million Araber als gleichberechtigte Staatsbürger leben. Sie haben das gleiche Recht auf Bildung, es gibt arabische Oberärzte, Professoren, arabische Parteien und einen arabischen Richter am Obersten Gerichtshof.
 
Ein weiterer Grund für Sarahs pro-israelische Einstellung ist die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau in Israel. Sie setzt sich insbesondere für die gesellschaftliche Teilhabe arabischer Frauen ein. Israelische Frauen aus jüdischen Familien hätten die Freiheit, über ihr Leben selbst zu bestimmen, während die Lebensentscheidungen der muslimischen Frauen immer noch von der Familie getroffen würden, sagt sie. Aber auch hier ändere sich gerade etwas, fügte sie hinzu. Frauen würden mit der Waffe in den Streitkräften dienen und es bei der Armee und in der Polizei zu Befehlshaberinnen bringen. Viele junge arabische Frauen ziehe es in »gemischte« Städte, wo sie freier leben könnten als in der eigenen Community. Die gebildeten und modernen arabischen Frauen in Haifa seien für viele Mädchen ein Vorbild. Aber viele arabische Männer kämen mit dieser Entwicklung nicht mit.

Sarah ist mittlerweile sehr bekannt in Israel. Die NGO »Im Tirzu« lud sie beispielweise in den vergangenen Monaten mehrfach als Rednerin ein und ehrte sie mit einer Auszeichnung für ihren Beitrag zur Integration von Minderheiten: »Sie ist nicht jüdisch, fordert aber Integration aus dem Bestreben heraus, das einzige Land im Nahen Osten zu stärken, das den Bürgern Sicherheit, Menschenrechte und Bürgerrechte bietet. Deshalb müssen wir Sahra in jeder Weise helfen.«

Dieser Meinung schloss sich das Publikum mit großem Beifall an. Ein Zuhörer forderte gar, Sarah müsse vor der UNO sprechen.

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