18.7. – 21.7.2016: jüdisch-christliche Lernwoche zur Bibel



30 Interessierte nahmen an der jüdisch-christlichen Lernwoche zur Bibel von Montag 18.7. bis Donnerstag  21.7.2016 teil, die die DIG Ulm/Neu-Ulm zusammen mit dem katholischen Bildungswerk veranstaltete. Das Thema Mose interpretierte eine Lehrerin aus Israel, Sarah Brukner. Die ersten drei Abende der Lernwoche fanden im Gemeindehaus Heilig Geist der Georgskirche Ulm statt, der letzte Abend am 21. Juli in der Synagoge. Diesen Abend eröffnete Rabbiner Trebnik mit einer kurzen Führung durch die Synagoge.
Der Vorsitzende der DIG, Martin Tränkle, eröffnete die Bibelwoche mit folgendem Text:
Ich möchte drei Gründe nennen, warum wir Christen eine Lernwoche zur Bibel mit einer jüdischen Lehrerin dringend brauchen:

1. Wir evangelischen Christen,  die wir nächstes Jahr 500 Jahre Reformation feiern, kommen von Luther her, der viel Licht gebracht hat: Bibel, Freiheit, Rechtfertigung. Doch er brachte auch viel Schatten: Seine schlimme Judenfeindschaft und vor allem, dass er am Ende nicht mehr mit ihnen geredet hat, sondern nur noch über sie, gegen sie. Und dass er einen unüberbrückbaren Gegensatz gesehen hat zwischen Christen und Juden, als zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen Gott und Teufel. Die von Luther geschlagenen Wunden, die zum Teil bis heute bestehen, lassen sich meines Erachtens nur heilen, wenn beide Seiten, die christliche und die jüdische, das Gemeinsame betonen, das Recht auf Verschiedenheit anerkennen und jetzt miteinander, nicht übereinander sprechen. Das tun wir hier!

2. Und dann die katholischen Christen unter uns: Ihr bekennt seit dem 2. Vatikanischen Konzil vor 50 Jahren, dass Christen und Juden von Feinden und Fremden zu Brüdern und Freunden geworden sind. Ihr sagt mit Papst Franziskus 2013, dass Israel weiter das Volk des Bundes und sein Glaube eine "heilige Wurzel der eigenen christlichen Identität" ist, dass die Kirche Israel nicht ersetzt und dass ein Christ nicht antisemitisch sein kann.

3. Schließlich haben einige orthodoxe Rabbiner 2015 in einer Erklärung bekräftigt, dass das Christentum weder ein Zufall noch ein Irrtum ist, sondern "göttlich gewollt, ein Geschenk an die Völker". Israel und das Christentum hätten also eine einzigartige Stellung in der Heilsgeschichte und bei der letztendlichen Erlösung der Welt.