16.3.16 Offene Vorstandssitzung

Das Treffen war sehr konstruktiv. Wir diskutierten die Reaktion auf unsere Presseerklärung. Die meisten beurteilten es positiv, dass die DIG in der Presse nun zumindest wieder auftaucht, wenn auch wie gewohnt nicht positiv. Die Tatsache, dass Martin Tränkles Leserbrief fast vollständig abgedruckt wurde, nachdem die SWP uns jahrelang totschwieg, führen wir direkt auf die "Wogen" zurück, die die Presseerklärung mit ihrem großen Verteiler ausgelöst hat.

Nun wollen wir nach vorn blicken und bald mit Frau Dr. Engels sprechen. Wir wollen deutlich machen, dass unsere Kritik an den über Jahre einseitigen anti-israelischen Vorträgen der VH nicht an sie persönlich gerichtet war und dass wir uns vom Nachfolger im Ressort Politik eine ausgewogenere und fairere Information erhoffen - ganz im Sinne der Geschwister Scholl.

Einseitigkeit von VH und SWP endlich öffentlich!

Nach dem Stohmeyer-Vortrag wurde in Ulm und Neu-Ulm sehr unterschiedlich berichtet. Die SWP setzt erneut Standards für neutrale Berichterstattung: http://swp.de/ehingen/lokales/ulm_neu_ulm/Arn-Strohmeyer-ueber-Anti-und-Philosemitismus;art4329,3727934.

Den Vorwurf Strohmeyers, Israel betreibe einen Völkermord, erwähnt die SWP im Gegensatz zur Augsburger Allgemeinen Zeitung natürlich nicht. Die Thesen des Herrn Strohmeyers werden in diesem Artikel gut beleuchtet: http://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Israel-Kritik-erhitzt-die-Gemueter-id37192287.html.

Wenn die Motivation der obsessiven "Israelkritik" an der VH einzig in den Menschenrechten liegt, bleibt zu hinterfragen, wo die Veranstaltungen der VH zu Syrien, Nordkorea und der Hamas bleiben.

Ulm in der Jerusalem Post

Heute kam noch ein Artikel über die Situation in Ulm in der Jerusalem Post (http://www.jpost.com/Diaspora/German-Jews-slam-Ulm-academic-center-for-modern-Jew-hatred-447434), unter Nennung aller Namen die dafür verantwortlich sind, dass der Strohmeyer-Vortrag nicht abgesagt wurde. 

Wir als DIG haben durch unsere Pressemitteilung zumindest für Aufregung gesorgt. Die Südwestpresse, die uns jahrelang ignoriert hat, DIG-Veranstaltungen nicht angekündigt und Leserbriefe unserer Mitglieder nicht abgedruckt hat, veröffentlichte heute einen äußerst kritischen Leserbrief unseres Vorsitzenden Martin Tränkle (s.u.). Hoffen wir, dass die VH nachzieht und mit ihrer einseitigen Darstellung des Nahostkonflikts aufhört, indem sie auch pro-israelische Referenten einlädt.

Hier der heute in der SWP abgedruckte Leserbrief des DIG-Vorsitzenden Martin Tränkle:


Sehr geehrter Herr Kübler,

ist das noch fairer, verantwortlichen Journalismus, was Sie heute in der SWP gebracht haben? Fair wäre gewesen, dass Sie unsre Pressemitteilung abgedruckt hätten und nicht einzelne Satzteile tendenziös herausgreifen und andere verschweigen. Aber die Tendenz der SWP ist ja seit Jahren, mehr oder weniger israelfeindlich zu berichten, besonders seit dem Gazakrieg. Das spüre ich als DIG-Vorsitzender ja schon lange. Leserbriefe von mir drucken Sie schon seit der Auseinandersetzung mit H. Buchta nicht mehr. Deshalb geht mein Brief an Sie zugleich heute an einen größeren Kreis. Die DIG-Veranstaltungen kündigt die SWP entweder gar nicht oder nur als kleiner Artikel an, immerhin. Berichte darüber vorher oder nachher erscheinen kaum noch. Die Veranstaltung mit Dr. Schuster vom Zentralrat hat mir etwas Mut gemacht. Aber was er z.B. über die rechten und linken
Israel-Gegner bzw. Antizionisten in Deutschland gesagt hat, die sich beim Gazakrieg mit den palästinensischen Islamisten zusammengetan haben und auf den Straßen "Israel-Kindermörder" riefen, hat die SWP nicht berichtet.
Die Behauptung der VH, sie führe in der Tradition der Geschwister Scholl einen "offenen Dialog", d.h. beide Seiten zu Wort kommen lassend, ist ja durch die vielen einseitigen propalästinensischen, meist
israelfeindlichen Veranstaltungen der letzten Jahre wohl trotz Selbstrechtfertigungen widerlegt. Dass H. Heusohn und H. Hauser inzwischen für eine Mehrheit der Israelfeinde in unsrer Gesellschaft und
Kirche sprechen, macht die Sache nicht besser und wahrer. Ich selbst habe mich immer dagegen gewehrt, Kritik an der israelischen Regierung, die ich auch habe, pauschal als Antisemitismus zu bewerten.
Es geht uns in der DIG doch nicht um "bedingungslose Solidarität" mit der Politik Israels! Aber man muss meines Erachtens schon entweder uninformiert oder ignorant sein, um nicht zu sehen, dass heute die meisten "Israelkritiker" in Deutschland (und auch in Europa und Israel selbst) in Wirklichkeit Israelfeinde sind, z.B. Anhänger der BDS-Bewegung wie A. Strohmeyer. Ich sage nicht gleich: Judenfeinde, Antisemiten! Das messe ich an den 3 D: Dämonisierung Israels, Delegitimierung und doppelte Standards.Wir von der DIG haben übrigens der VH nicht vorgeworfen, "Antisemitismus
zu schüren". Wir verhindern auch die Diskussion über israelische Regierungspolitik nicht. So blauäugig und einseitig sind wir nicht. Wir versuchen nur, Empathie auch für Israel und seine Bewohner, nicht nur für das Unrecht, das Palästinensern geschieht, einzufordern. Freilich, die andere Seite, z.B. VH und HdB, ist einseitig und macht seit Jahren keine Veranstaltung, wo auch Israel zu seinem Recht kommt! Wie können Sie uns Israel-Solidarische als "Israel-Lobby" bezeichnen! Abgesehen davon, dass Sie Benjamin Weinthal verleumden, er "benutze systematisch die Antisemitismuskeule, um Israel-kritische Veranstaltungen zu verhindern".
Also etwas mehr fairen Journalismus hätte ich schon von der SWP erwartet, auch in dieser umstrittenen Frage. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Am 23. Juni kommt der israelische Generalkonsul Dan Shaham nach Ulm zu Besuch. Da plane ich einen Pressetermin bei der SWP. Ist das noch realistisch?

Mit freundlichem Gruß, Martin Tränkle, Pfarrer i.R. und Vors. der DIG Ulm/Neu-Ulm

10.3.2016: Lesung von Professor Kuschel über Martin Buber und seine Herausforderung ans Christentum



Karl-Josef Kuschel, emeritierter Professor für Theologie der Kultur und des interreligiösen Dialogs an der katholisch-theologischen Fakultät und neben Hans Küng stellvertretender Direktor des Instituts für ökumenische und interreligiöse Forschung der Uni Tübingen stellte am 10.3. sein neues Buch über Buber vor und hielt vor ca. 50 BesucherInnen einen faszinierenden Vortrag über Buber, diesen "großen Lehrer und Führer der geistigen Eliten unter den Juden" und zugleich den "großen Schriftsteller, u.a. der Erzählungen der Chassidim " (Hermann Hesse).

Kuschel nannte zu Beginn einige Gründe, warum man sich heute, 50 Jahre nach dem Tod Bubers, wieder verstärkt an ihn erinnert:  Buber war mit seinem großen Werk "Ich und Du" einer der großen deutschen Philosophen unsrer Zeit neben z.B. Heidegger, Adorno und Bloch. Er war mit seiner "Verdeutschung der Bibel" und seiner Friedenspreisrede 1953 ein großer Brückenbauer zwischen Juden und Christen, zwischen Israel und Deutschland. Er stand für die Verständigung zwischen Zionisten und palästinensischem Volk unter dem prophetischen Leitwort "Gerechtigkeit". Er passte in kein Schema, war ein Unangepasster, kämpfte sowohl genauso gegen jüdisch-orthodoxe "Vergesetzlichung" wie gegen ein Aufgehen des Judentums in Deutschland. Er war kritischer Zionist, Vertreter eines hebräischen Humanismus statt einem israelischen Nationalismus. Buber war tief enttäuscht, dass eine Verständigung mit den Arabern 1948 nicht gelungen ist. Er engagierte sich im interreligiösen Dialog, auch mit Muslimen. Er lebte und dachte aus der Freiheit einer ganz persönlichen Gotteserfahrung heraus, nicht in subjektiver Beliebigkeit, sondern als Antwort auf das ewige Du Gottes und damit in Zwiesprache mit diesem Du, wie es vor allem aus der Überlieferung der jüdischen Bibel entgegenkommt. Angesichts der Schoa und der bis heute unerlösten Welt fragte er im Gespräch mit Christen kritisch:  War Jesus wirklich Messias, Gottes Sohn und Erlöser?

Kuschel zeigte Bubers Kritik am Christentum eindrücklich an seinem Dialog mit K.L.Schmidt in den 30er Jahren, der eine Theologie der Enterbung und Ersetzung Israels durch die Kirche sowie Mission zur Bekehrung der Juden vertrat. Er zeigte aber auch Bubers Verbundenheit mit Tübingen, wo dieser in den 50er Jahren eine Wohnung hatte und im Gespräch war mit dem kath. Prof. Stier und dem ev. Prof. Michel.

Es war ein interessanter Abend über Trennendes und Verbindendes zwischen Christentum und Judentum und das Werk von Martin Buber. Bubers Thesen sind nach wie vor hoch interessant und aktueller denn je. Dies wurde den ZuhörerInnen bei der Lesung aus Professor Kuschels  neuen Buch "M. Buber - seine Herausforderung an das Christentum" schnell klar. 

Danke an Herrn Professor Kuschel, alle Gäste, auch für die angeregte Diskussion und an das katholisch Beldungswerk, Mitveranstalter des Abends.





Presseerklärung und Reaktionen

Am Mittwoch, 2.3.16 hat der Vorstand der DIG Ulm/Neu-Ulm unten stehende Pressemitteilung verfasst. Seither haben Jerusalem Post und Augsburger Allgemeine Zeitung darauf reagiert( http://www.jpost.com/Diaspora/Albert-Einsteins-German-hometown-funds-anti-Semitic-lecture-446799http://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Vorwuerfe-Antisemitismus-an-Volkshochschule-id37138332.htm) . Mal sehen, wie es weitergeht.

PRESSEERKLÄRUNG
Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Ulm/Neu-Ulm protestiert gegen die Veranstaltung der Ulmer Volkshochschule mit Arn Strohmeyer am 9.3.2016 im Ulmer Einstein Haus. Arn Strohmeyer ist bekannt für seine antizionistischen Positionen. Unter anderem sagt er: "Siedlerkolonialistischen Bewegungen wie dem Zionismus wohnt also notgedrungen das Element der Gewalt inne. Diese Einstellung macht allein den Frieden mit den Kolonisierten, Besetzten und Unterdrückten unmöglich. Dazu kommt bei Israel die Selbstviktimierung, also die Ideologie des Selbst-Opfer-Seins."
Die VH-Veranstaltung, die in Kooperation mit dem Haus der Begegnung stattfindet, steht in einer langen Reihe von antiisraelischen Veranstaltungen, die auf eine Delegitimierung des jüdischen Staates und seines Rechts auf Selbstverteidigung hinauslaufen. Wir fordern ein Ende dieser als Israelkritik getarnten latent oder offenen antisemitischen Positionen. Diese Veranstaltungen unter der Ägide des Fachbereichsleiters Politik der VH, Lothar Heusohn und des Leiters des Hauses der Begegnung, Dr. Michael Hauser, werden aus öffentlichen Geldern finanziert, was einen Skandal darstellt. Wir fordern eine Absage der geplanten Veranstaltung und werden auch in Zukunft unsere Stimme erheben.

(Über die DIG: Die Deutsch-Israelische Gesellschaft mit 5400 Mitgliedern hat es sich zum Ziel gesetzt, in überparteilicher Zusammenarbeit für Solidarität mit dem Staat Israel und seiner Bevölkerung zu wirken.)