Mitgliederversammlung am 24.2.2016 und offene Vorstandssitzung am 2.3.2016

Die Mitgliederversammlung war gut besucht; danke an alle, die gekommen sind und mitdiskutiert haben, u.a. wie wir zukünftig mit der einseitigen und unserer Meinung nach antisemitischen Ausrichtung der VH Ulm umgehen sollen.

Der Vortrag von Arn Strohmeyer (Antisemitismus – Philosemitismus und der Palästina-Konflikt) am 9.3. um 20 Uhr im Club Orange im Einsteinhaus ist nicht der erste seiner Art. Er wird im VH-Programm folgendermaßen angekündigt : " Der Antisemitismus-Vorwurf steht in den aktuellen politischen Auseinandersetzungen über den Palästina-Konflikt ständig im Raum. Handelt es sich dabei aber tatsächlich immer um Antisemitismus? Da Israel den Anspruch erhebt, das ganze Judentum zu vertreten, hat der Antisemitismus-Begriff sich in der Weise verändert, dass er nicht mehr allein den Hass auf Juden wegen ihres Jüdisch-Seins meint, sondern nun jede Kritik an Israel und seiner höchst umstrittenen Politik gegenüber den Palästinensern mit diesem Vorwurf belegt. Damit wird jedoch dem Missbrauch und der ideologischen Instrumentalisierung des Anti-Antisemitismus ein Weg gebahnt mit dem Ziel, einzig die ethnisch-nationalistischen Interessen Israels zu vertreten und einzufordern."

Wir akzeptieren die absolut einseitig anti-israelische Ausrichtung der VH Ulm nicht! In der offenen Vorstandssitzung am Mi, 2.3.2016 um 19.30 im Rathauskeller werden wir besprechen, wie wir konkret aktiv werden. Herzliche Einladung!

Unser Mitglied Rolf Emmerich und Yitzhak Heinrich Steiner bekommen die Bürgermedaille der Stadt Laupheim

LAUPHEIM - Mit der Bürgermedaille sind am Sonntag Rolf Emmerich und Yitzhak Heinrich Steiner ausgezeichnet worden. Die Stadt würdigt damit das herausragende Engagement der beiden für die Aufarbeitung und Bewahrung der jüdischen Geschichte Laupheims. Das heutige Laupheim zeichne sich durch Toleranz und Weltoffenheit aus, sagte Oberbürgermeister Rainer Kapellen vor 250 Gästen im Kulturhaus in seiner Laudatio. Rolf Emmerich und Yitzhak Heinrich Steiner – „wir brauchen Menschen wie sie“ – hätten großen Verdienst daran, auch im Hinblick auf die Gegenwart und Zukunft. „Unsere Jugendlichen wissen vom Schicksal der jüdischen Gemeinde; sie wissen, welches Leid Diktaturen, Entrechtung und Verfolgung über die Menschen bringen“, sagte Kapellen. Dieses Wissen sei wichtig, um antisemitischen und rassistischen Parolen zu wehren, und nicht von ungefähr gelinge in Laupheim aktuell ein friedliches Miteinander mit Flüchtlingen.

Sinn für Gerechtigkeit Entscheidende Anstöße, sich des jüdischen Erbes zu entsinnen, gab seit den 60er-Jahren Rolf Emmerich (77). Der OB nannte ihn einen Pionier der deutsch-jüdischen Versöhnung, geleitet von einem unbeugsamen Sinn für Gerechtigkeit. Emmerich knüpfte Kontakte zu ehemaligen jüdischen Laupheimern und ihren Nachkommen; er pflegte Korrespondenzen, recherchierte, hielt Vorträge, publizierte, bewahrte und edierte kostbares jüdisches Liedgut und hat immer wieder durch die Schilderung von Einzelschicksalen den Opfern Gesicht und Namen gegeben. Unvergessen sein Einsatz für das Museum zur Geschichte von Christen und Juden; zahlreiche Exponate haben dank seiner Verbindungen den Weg in die Dauerausstellung gefunden. 2012 erhielt der langjährige Stadt- und Kreisrat der SPD den renommierten German Jewish History Award der Obermayer-Stiftung.

Als einen Glücksfall für die Stadt bezeichnete Rainer Kapellen das Wirken des promovierten Juristen Yitzhak Heinrich Steiner (84): „Ohne ihn wären viele Schätze der Erinnerung für immer verloren.“ Großzügige Schenkungen aus dem Familiennachlass seien ihm zu danken. Steiner sei ein Brückenbauer zwischen Deutschland und Israel, der für Austausch, Toleranz und gegenseitige Achtung stehe. Der Erhalt des ehemaligen Leichenhauses am jüdischen Friedhof war ihm ein Herzensanliegen, für das er Spenden sammelte. Als das Haus 2014 als Gedenk- und Dokumentationsstätte eröffnet wurde, bekannte der 1931 in Laupheim Geborene: „Die Erinnerung an die Wurzeln lässt sich nicht auslöschen, durch kein Regime und keine Missetat.“ In seiner Dankrede sagte Steiner, vor Kurzem mit dem Goldenen Laubü der Laupheimer Bürgerstiftung ausgezeichnet, „dass ich nicht allein hier stehe, sondern als Vertreter vieler Generationen meiner Familie, die hier gewirkt haben“. Nach der dunklen Periode der deutschen Geschichte habe man sich wieder auf humanitäre Werte besonnen – „so hat jedes Schlechte etwas Gutes“. Er selbst fühle sich „sozusagen als Laupheimer ,Weltbürger’“, sagte Steiner – „nach fast 30 Jahren in der Schweiz und 50 Jahren in Israel hat meine Verbindung zu Laupheim eine neue Dimension erhalten, die vom Beschluss des Gemeinderats, mich zu ehren, bekräftigt worden ist. Das berührt mich sehr.“

Rolf Emmerich blendete in seiner Dankrede zurück in den Frühsommer 1965, als seine Familie aus Hessen kommend in Laupheim eintraf. Damals wäre es ihnen unvorstellbar gewesen, „dass wir hier so heimisch und verwurzelt werden könnten“. In den 70er-Jahren habe er bewegende Begegnungen mit jüdischen Laupheimern gehabt, darunter Heinrich Steiners Vater Helmut – „er hat mich immer ermutigt, noch mehr aus der Geschichte aufzuspüren“.  Oft sei er gefragt worden, warum er sich so stark ehrenamtlich engagiere. „Weil ich Projekte bewegen konnte, die mir wichtig waren und sind“, erklärte Emmerich und nannte beispielhaft die Einrichtung des CTA-Kollegs an der Kilian-von-Steiner-Schule 1985 und des Museums. Es sei ein großes Glück für ihn, dass seine Frau Hedwig und die Familie ihn stets bei seinem Tun unterstützten.


Roland Ray

Holocaust-Gedenktag am 27.1.2016 in Ulm

Der Filmemacher Jürgen Hobrecht von der Phönix-Akademie Berlin hat 2012 einen 2-stündigen Film gedreht über die schrecklichen Ereignisse in Riga 1941 und 1942, die bisher wenig bekannt sind:
27 000 lettische Juden wurden von der SS im Wald von Rumbula bei Riga in einem Massaker an 2 Adventssonntagen 1941 ermordet. Zwei Monate vor der Wannsee-Konferenz, bei der die "Endlösung" beschlossen wurde. Und 22 000 Juden aus dem Deutschen Reich, auch aus Ulm, wurden anschließend in 25 Zügen nach Riga deportiert und z.T. sofort erschossen, z.T. jahrelang im Ghetto gequält. Nur ganz wenige überlebten. Viele wurden 1945 unter Stalin noch einmal deportiert, in die Gulags der Sowjetunion, als "deutsche Spione". 

Dieser Film "Wir haben es doch erlebt - das Ghetto von Riga" wurde am 27.1. im Stadthaus in Ausschnitten gezeigt. Dazwischen war ein Skype-Interview zu hören von Lothar Heusohn und Jürgen Hobrecht, auch zu den überlebenden Opfern, die bis heute traumatisiert sind, und den Tätern, die nie vor Gericht gestellt wurden. Leider konnte Jürgen Hobrecht nicht nach Ulm kommen, weil sein Rollstuhl beschädigt war.

Schülerinnen des Einstein-Gymnasiums Wiblingen hatten sich mit den Biographien von nach Riga deportierten und dort ermordeten Juden aus Ulm beschäftigt und stellten einige von ihnen vor, hervorragend dargeboten. Die Namen der in Riga ermordeten Ulmer Holocaust-Opfer wurden dann projiziert, unterlegt mit einer Trauermusik von Arvo Pärt.

Ivo Gönner begrüßte eindrücklich - zum letzten Mal am 27.1. Auch Lothar Heusohn vonder VH führte zum letzten Mal durch diese Veranstaltung.  Ein informativer, ergreifender, erschütternder Abend, der das große Leid der deportierten und das Trauma der überlebenden Zeitzeugen hautnah zeigte. Besonders berührt war das zahlreiche Publikum von dem Engagement der jungen Leute, der SchülerInnen aus 10. und 11. Klasse für die Erinnerung an diese schreckliche Zeit und für die Arbeit an einer besseren Welt heute ohne Rassismus und Antisemitismus.