DIG-Ausfahrt nach Freundental am Sonntag, 26. Juli

Auch dieses Jahr fand wieder eine DIG-Ausfahrt statt. Dieses Mal ging es ins pädagogisch-kulturelle Zentrum "Ehemalige Synagoge Freudental." Frau Barbara Schüssler, Leiterin für Pädagogik und Kultur, führte uns sachkundig und sehr interessant durch die Synagoge mit dem Geniza-Museum und auf jüdischen Spuren durch den Ort Freudental. Nach einer Stärkung im Gasthaus Lamm besichtigten wir noch den jüdischen Friedhof.

In Freudental waren früher die Hälfte der Bewohner Juden. Heute lebt wieder ein aus Guatemala zurückgekehrter Urenkel einer jüdischen Familie hier, zu den früheren Bewohnern beziehungsweise ihren Nachkommen gibt es heute gute Beziehungen, Dokumentationen und Besuche.

Seit 30 Jahren ist die renovierte Synagoge ein Zentrum für die Begegnung zwischen Juden und Christen, Deutschen und Israelis. Sie wird für Seminare und Veranstaltungen, vor allem für Jugendliche und Schüler genutzt. Träger ist ein Freundeskreis, unterstützt vom Haus der Geschichte in Stuttgart, vom Kultusministerium, Landkreis u.a. Ein hervorragender Lernort und Gedenkstätte! Und eine sehr interessante DIG-Fahrt!


 

Donnerstag, 9.7. 2015: Kein Frieden für Israel?


Trotz falscher Angaben in der SWP (20 statt 19 Uhr) waren etwa 80 BesucherInnen  im Festsaal der Synagoge, um einen hoch interessanten, kompetenten und differenzierten Vortag  von Dr. Matthias Küntzel, Politikwissenschaftler und Historiker aus Hamburg zu erleben. Das Thema war: Kein Frieden für Israel? Über Geschichte und Gegenwart des Nahostkonflikts.
Einleitend schilderte Herr Küntzel den Gazakrieg vor einem Jahr, die traumatischen Erfahrungen von Palästinensern und Israelis und die einseitig israelfeindliche Berichterstattung darüber in unseren Medien. Man wolle hier nicht verstehen, dass Israel das Leben schützt und die Hamas den Tod von Zivilisten gerade sucht.
Danach erklärte Küntzel die Ideologie der Islamisten: Gottesstaat mit Scharia - (Märtyrer-)Tod wichtiger als das Leben -  Antisemitismus. Dieser stamme z.T. aus dem Koran, sei aber vor allem aus Europa importiert, konkret aus dem Nationalsozialismus. Dies geschah durch die Muslimbrüder in Ägypten und wurde dann zunächst als Judenhass und seit 1948 als Israelhass überall im Nahen Osten verbreitet.
Die größte Gefahr gehe, so Küntzel, von der Atomrüstung des Iran aus. Die Bedrohung der Welt durch die Atombombe werde heute oft verharmlost. Die Gespräche in Wien würden scheitern, weil das Regime im Iran kein wirkliches Entgegenkommen zeige. Darin sei er einig mit Netanjahu, den er in anderen Punkten kritisierte. Er warnte vor einem Appeasment mit Iran, genährt aus Angst und Wunschdenken. Er wandte sich auch gegen die geplante Reise von Sigmar Gabriel mit Wirtschaftsvertretern in den Iran, die es zu verhindern gelte.
In der etwa einstündigen engagierten Diskussion nach dem Vortrag beantwortete Küntzel viele Fragen mit großem historischem Wissen und überzeugenden Argumenten. Den Grund dafür, dass viele Deutsche zur Zeit Israel als aggressiv und friedensfeindlich ablehnen, sah er darin, dass der Holocaust immer noch nachwirke, z.B. wenn viele die Aktionen der Israelis gegenüber Palästinensern mit dem Vorgehen der Nazis gegen Juden vergleichen. Zur Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern erzählte er ein Beispiel, wie Vertreter beider eine junge gemischte Fußballmannschaft zusammenstellten und darauf die Fatah im Westjordanland das Projekt als unislamisch verurteilte und beendete.
Küntzel bekennt sich zur 2 Staaten-Lösung. Er sieht in der Siedlungspolitik Israels kein Problem, wenn die Siedler, die dann nicht zurück nach Israel wollen, im Palästinenserstaat gleichberechtigt leben können, so wie auch jetzt die Palästinenser im Staat Israel. Gegen die Gefahr des Islamismus weltweit braucht es nach seiner Meinung ein starkes demokratisches Israel. Der Kampf gegen den islamistischen Terror gelinge nur, wenn der Westen einig zusammenstehe und seine Werte verteidige.

 

13. Mai 2015: Dialog zwischen Christen und Muslimen statt Feindschaft, Terror und Angst

In seinem Vortrag berichtete unser  DIG-Vorsitzender Martin Tränkle von einer interreligiösen Reise mit Imam B. Hodzic nach Bosnien 2014.

Ausgehend von der Erklärung des 2. vatikanischen Konzils vor 50 Jahren zum Dialog zwischen Christen und Muslimen und angesichts des islamistischen Terrors heute zeigte Martin Tränkle beide Interpretationen des Korans: die gewalttätige und die friedliche. Die Frage, wer recht habe beziehungsweise sich im Recht fühle, durchzog den Vortrag und wurde immer wieder von Imam Hodzic kommentiert.

Denn Koran und Bibel rufen zum Frieden auf, aber auch zum Gegenteil.  Jesus war gewaltlos, doch es gab auch die Kreuzzüge. Und Mohammed war Religionsstifter und Feldherr.

Tatsache ist: Die Mehrheit der Muslime weltweit sehnt sich nach Frieden und Freiheit. In Bosnien lebten Jahrhunderte lang Christen, Juden und Muslime friedlich nebeneinander. Dort herrschten Toleranz und Dialog zwischen den Religionen. Und angesichts des zunehmenden islamistischen Terrors sind gerade Toleranz und Dialog zwischen den Religionen besonders wichtig. In Ulm werden sie z.B. praktiziert im interreligiösen Gesprächskreis und im Rat der Religionen in Ulm.

Um diesen positiven interreligiösen Austausch bekannt zu machen, hielt Martin Tränkle seinen Vortrag vor Mitgliedern der DIG. Und Rabbiner Ahrens aus Düsseldorf  betont: " Es ist wichtig mit allen Menschen zusammen zu stehen gegen Extremismus und Fundamentalismus!“


 

12.5.2015: Israeltag

 
Auch in diesem Jahr hatte die DIG am Israeltag wieder einen Stand in Ulm in der Fußgängerzone. Obwohl wir ihn aus beruflichen Gründen erst nachmittags ab 13.30 Uhr besetzen konnten, gab es viele Interessierte und sehr gute Gespräche. Unsere Standpartner in diesem Jahr waren die "Christen an der Seite Israels". Wir haben uns gut ergänzt, danke!