27. Januar 2014: "Vor der Wirklichkeit kann man seine Augen verschließen, aber nicht vor der Erinnerung" (Stanislaw Jerzy Lec).

Unter diesem Motto fand dieses Jahr der Gedenktag 27. Januar - Befreiung von Auschwitz im Ulmer Stadthaus statt. Den Abend mit dem Thema Zwangsarbeit in der Region Ulm/Neu-Ulm hatte ein Arbeitskreis, bestehend aus DIG, VH, DZOK u.a. vorbereitet. Wie jedes Jahr begrüßte OB Gönner die zahlreichen Besucher und führte ins Thema ein: Im 3. Reich gab es  über 20 Millionen Zwangsarbeiter.  Sie arbeiteten  überwiegend in der Industrie unter oft unmenschlichen Bedingungen, nachdem die meisten deutschen Männer im Krieg waren. Aber nicht nur die Zahlen seien heute bedenkenswert, sondern vor allem das Schicksal der Menschen, so der OB. Allein in der Region Ulm waren es etwa 14 000  ZwangsarbeiterInnen, erläuterte Ulrich Seemüller vom Haus der Stadtgeschichte anhand von Bildern und Grafiken.

Unter der Moderation von Lothar Heusohn (Ulmer VH) diskutierten dann Dr. Nikola Wenge (DZOK), Dr. Werner Trägner (Ulmer Jurist) und Ilona Walosczyk (DZOK, aus Polen) über die Zwangsarbeit im Nationalsozialismus, unter der vor allem Kriegsgefangene und Ostarbeiter litten. Erst lange Zeit nach dem Krieg, nach der Wende, sei in Deutschland öffentlich darüber gesprochen und schließlich Ende der 90er Jahre ein Fond zur späten "Wiedergutmachung" eingerichtet worden. Nach Ulm seien unter der Regie von Dr. Silvester Lechner schon 1996 über 80 ehemalige polnische ZwangsarbeiterInnen eingeladen worden. Dies wurde als eine bedeutende Geste der Versöhnung beurteilt, wobei gleichzeitig darauf hingewiesen wurde, dass noch immer zahlreiche Firmen, die damals von Zwangsarbeitern  profitierten, ihre Vergangenheit bis heute nicht aufgearbeitet hätten. Am Ende wurde das Vorurteil diskutiert, jetzt zugewanderte Arbeiter aus Bulgarien und Rumänien würden unser Sozialsystem schädigen. Angesichts der unmenschlichen Ausbeutung von Zwangsarbeitern aus Osteuropa im 3. Reich wird diese Debatte als sehr beschämend empfunden.