Ein besonderer Abend am Donnerstag, 28. November 2013 um 19 Uhr im Club Orange der Ulmer VH

Zufällig am 1. Tag des jüdischen Festets Chanukka zeigte die DIG zusammen mit VH, DZOK, HDB und dem Haus der Stadtgeschichte einen neuen Dokumentarfilm  "Wir haben es doch erlebt. Das Ghetto von Riga". Der 98-minütige Film von Jürgen Hobrecht, Phoenix Medienakademie Berlin ist weltweit der erste Film, der das Schicksal der nach Riga Verschleppten Juden aus dem Deutschen Reich, das Leiden der lettischen Gefangenen des Ghettos und die Verfolgung der lettischen Holocaust-Überlebenden unter der Sowjetherrschaft darstellt.



Unter der Überschrift Der Holocaust vor dem Holocaust hatte die SWP auf dieses schreckliche Massaker im Wald bei Riga hingewiesen: Am 1. und 2. Advent 1941, vor 72 Jahren, wurden dort 2700 lettische Juden ermordet, erschossen und in riesigen Gruben von deutschen SS-Männern und ihrenlettischen Helfern verscharrt. Dies geschah also noch vor der Wannsee-Konferenz im Januar 1942, als die "Endlösung der Judenfrage" beschlossen wurde. Danach wurden weitere 22 000 Juden aus dem Deutschen Reich in 25 Zügen aus 14 Städten, auch aus Stuttgart und Ulm,nach Riga verschleppt und zum größten Teil ermordet, oft nach jahrelangem Martyrium im Ghetto und KZ. Nur etwa 1 % der lettischen Juden hat überlebt.


Der Dokumentarfilm über diese schrecklichen Ereignisse schockierte die etwa 40 ZuschauerInnen so stark, dass die meisten schweigend und tief betroffen nach Hause gingen. Einige blieben noch zu einem Gespräch mit dem Produzenten des Films, Herrn Hobrecht. Er war Tage zuvor aus seinem Rollstuhl gestürzt und konnte so leider nicht nach Ulm reisen. Aber er war - dank der Technik mit Skype - aus Berlin zugeschaltet und antwortete auf einige Fragen. Er berichtete z.B., dass in Riga jedes Jahr im März eine Demonstation jener lettischen Faschisten bzw. ihrer jungen Gesinnungsgenossen stattfindet, die damals mit der SS kollaborierten und dass es immer noch schwierig ist, die historische Wahrheit über die Ereignisse 1940-45 in Riga ans Licht zu bringen. Auch seien die meisten SS-Täter nie vor Gericht gestellt worden; einige seien noch am Leben.


Herr Hobrecht recherchiert weiter über diese Ereignisse und ist für Spenden dafür dankbar. Er zeigt den Film in vielen Städten und lässt ihn jetzt auch auf englisch und lettisch übersetzen. Im Fernsehen wird er, so Hobrecht, wohl nicht gezeigt. Er ist für 15 Euro bei der DIG Ulm, Herrn Tränkle, zu kaufen.

14. November 2013: Vortrag von Ruth Frenk "Kulturwille ist Lebenswille"

Mit dem 9. November 1938 begannen die Massendeportationen der Juden in die Konzentrationslager, in denen schließlich 6 Millionen vernichtet wurden. Das Leben dort können wir nicht ermessen, wir kennen nur die furchtbaren Bilder von halbverhungerten, gezeichneten Menschen nach der Befreiung der Lager.

Unglaublich ist es, dass selbst unter diesen unmenschlichen Bedingungen der KZs wunderbar lebensfrohe Musik komponiert wurde. Den Komponisten aus Theresienstadt widmete Ruth Frenk ihren ganz besonderen Vortrag "Kulturwille ist Lebenswille - Das Vermächtnis der Komponisten im Vernichtungslager Theresienstadt".

Ruth Frenk, Vorsitzende der DIG-Arbeitsgemeinschaft Bodensee-Region, ist gebürtige Niederländerin und eine deutsch-niederländsche Lied- und Konzertsängerin (Mezzosopran), sowie eine international anerkannte Gesangspädagogin. Seit vielen Jahren berichtet sie über die Musik von Komponisten aus Theresienstadt mit dem Ziel, dass sie und ihre Musik nicht vergessen werden. So hörten auch wir ergreifende Lieder von Pavel Haas, Rudolf Karel, Gideon Klein und Ilse Weber, gesungen von der Sängerin Anne Sofie von Otter.

Insgesamt war dieser 14. November ein ganz besonderer Abend, der uns deutlich machte, wie Menschen durch ihren Lebenswillen, der in Kultur ihren Ausdruck fand, sich einen Teil ihrer Würde bewahrten.