9. November 2013: Gedenkfeier in Erinnerung an die Reichspogromnacht 1938

Auch in diesem Jahr fand auf dem Ulmer Weinhof unsere jährliche Gedenkfeier für die 212 ermordeten Ulmer Juden statt. Martin Tränkle, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, eröffnete die Gedenkveranstaltung vor einem Davidstern aus Kerzen vor der neuen Ulmer Synagoge.

Nach dem Grußwort von Oberbürgermeister Ivo Gönner verlasen Schülerinnen des Ulmer St. Hildegard Gymnasiums einen Text zum 9. November, dem Anfang des Völkermords an Juden, aber auch an Sinti, Roma und Behinderten. Danach trugen sie die 212 Namen der Ulmer Ofer der Shoa vor. Für jedes Opfer war eine weiße Kerze aufgestellt worden, und jede Kerze trug den Namen eines der Ermordeten. Doch dieses Mal waren auch ein paar Kerzen ohne Namen dabei -  für Menschen, von denen wir (noch) nichts wissen.

Die Schülerinnen gestalteten den Abend auch musikalisch mit zwei hebräischen Liedern. Zum Abschluss richtete Herr Rabbiner Trebnik noch einige Worte an das Publikum. Dann sprach er das Kaddisch. das jüdische Totengebet.

13. September 2013: Besuch des jüdischen Krumbach-Hürben

Unsere diesjährige DIG-Ausfahrt führte uns ins bayerische Krumbach, in dem die wenigsten von uns bisher jüdische Spuren vermutet hatten. Und doch war der Ortsteil Hürben in seiner Blütezeit zu 48 % jüdisch. Herbert Auer hat viel geforscht über das jüdische Leben in Hürben und auch zwei Bücher zum Thema herausgegeben. Er führte uns durch das Städtchen, und wir lernten Neues und Interessantes: Herr Auer erklärte uns z.B., dass die auffälligen Erker an vielen Hürbener Häusern darauf hindeuteten, dass sie einst von Juden gebaut wurden. Das Dach des Erkers konnte man damals öffnen, sodass die Mahlzeiten und Gebete am Laubhüttenfest  wie vorgeschrieben unter freiem Himmel stattfinden konnten. In Mitteleuropa ist es aber im September und Oktober oft schon kühl und regnerisch. Also konnte man das Dach bei Bedarf wieder schließen.

Interessant war auch die Geschichte des Hausierersohns Moses Samuel Landauer (1803-1893). Er verwirklichte nach seiner Lehre als Weber seinen Traum, Unternehmer zu werden. Beginnend mit einem Webstuhl im Keller seines ersten Häuschens beschäftigte er bald 300 Arbeiter, denen er - sehr sozial eingestellt - eine Betriebskrankenversicherung finanzierte. Auch im privaten Bereich engagierte er sich in vielen Vereinen und war 30 Jahre im Gemeinderat und 45 Jahre in der Verwaltung der jüdischen Gemeinde aktiv.
Wir schlossen unseren Stadtspaziergang mit einem Besuch des jüdischen Friedhofs ab, einer Oase in wunderschöner Umgebung und mit orthodoxen Grabsteinen neben modernen, auf denen kein Wort hebräisch geschrieben ist. 

Insgesamt war es ein schöner gemeinamer Nachmittag. Denjenigen, die unseren Ausflug verpasst haben, können wir einen Besuch von Krumbach-Hürben sehr empfehlen!