Elchanan Moses – ein Wanderer zwischen vielen Welten



Einen spannenden Abend erlebte die DIG am 27. Juni, als Elchanan Moses über sein bewegtes Leben berichtete. Seine Eltern flüchteten 1933 bzw. 1936 vor den Nazis nach Paraguay. Dort wurde 1945 Elchanan und 3 Jahre später sein jüngerer Bruder Rafael geboren. Das Leben war schwer: es herrschte große Armut, die Kinder wuchsen zusammen mit den Kindern der ebenfalls in Paraguay lebenden deutschen Nazis auf, und der jüngere Sohn begann sich sehr für den Katholizismus zu interessieren. So beschloss die jüdische Familie 1959, nach Israel zu emigrieren. Schnell lernten die Kinder im Kibbutz Ein Harod Iwrith, die Sprache Israels, doch den Eltern fiel das sehr schwer. Auch dem jüngern Bruder Rafael gefiel es nicht in Israel und er verließ das Land schon 1968 in Richtung Deutschland. Kurze Zeit später folgten die Eltern.

Elchanan aber blieb in Israel. Er erlernte den Beruf des Schleifers, lernte eine junge Israelin kennen, die er mit 20 heiratete und machte Karriere im Militär. 3 Töchter wurden geboren; Elchanan fühlte sich wohl in Israel, obwohl das Leben auch dort nicht leicht war. Doch als junger Israeli musste Elchanan Moses auch Militärdienst leisten und am 6-Tage-Krieg und Yom Kippur-Krieg teilnehmen. Als er 7 Monate in Syrische Gefangenschaft geriet, wuchs sein Entschluss, seinen Eltern und seinem Bruder nach Deutschland zu folgen.

Doch diese Entscheidung musste nun von seiner Frau mitgetragen werden, die sich schweren Herzens entschloss, denn ihre gesamte Familie lebt in Israel. Und so wurde sie auch nicht glücklich im 600-Seelen Dorf Bronnen bei Laupheim und kehrte mit den 3 Töchtern und dem kleinen in Deutschland gebotenen Sohn nach Israel zurück.

Elchanan Moses ist mittlerweile glücklich wieder verheiratet mit zwei weiteren Kindern, Jasmin und Rafael. Die Familie lebt in der katholischen Diaspora, wo sie sich wohl fühlt. Nur manchmal bei Dorffesten spüren die beiden, die evangelische Christin und der Jude, dass sie nicht ganz dazu gehören. Doch Frau Moses sagt: „Es ist der Mensch, der im Mittelpunkt steht. Die Religion ist nur ein Teil von uns.“ Und so lebt die Familie ein glückliches Leben zwischen den Welten im katholischen Dorf, Gottesdiensten in der evangelischen Kirche und der neuen Ulmer Synagoge und Urlaubsreisen in die zweite Heimat Israel.