Frohe Feiertage

  






Wir wünschen allen Freunden ein friedliches und hoffnungsvolles Channukah-  und Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr 2013!

Begegnungen

Auch emotional wird dieser 2. Dezember in Erinnerung bleiben. Drei Begegnungen will ich schildern. Als die Thrarollen vom Judenhof 6 aus dem Gebäude getragen wurden, öffnete sich im Stock darüber ein Fenster und ein alter Mann blickte  nachdenklich den Thorarollen hinterher. Er hatte schon andere Zeiten erlebt...

Wir begleiteten die Thorarollen zur neuen Synagoge. Neben mir sprachen einige Menschen englisch. Es stellte sich heraus, dass die Gruppe mit ihrer alten Mutter aus Texas zur Einweihung gekommen war. Die Mutter war 1937 vor den Nazis aus Ulm geflohen und nun glücklich, diesen Tag mit ihren Kindern hier erleben zu dürfen.






Im vollen Bürgerzelt hatte ich schließlich einen Platz ergattert, den ich aber schnell an eine alte Dame mit Rollator weiter gab. Sie bedankte sich sehr und erzählte mir, wie wichtig es für sie sei, hier dabei sein zu können: "Denn wissen Sie, in der Synagoge ist meine jüdische Freundin, mit der ich all die Jahre Kontakt gehalten habe. Wir sind so froh!"

Was für ein Tag!
(Text: I. Hahn; Fotos: M. Weise-Mack)

Neue Seite in der Ulmer Stadtgeschichte - unsere neue Synagoge ist eingeweiht



Es ist soweit:  seit gestern hat Ulm wieder eine Synagoge und mit ihr jüdisches Leben mitten in Ulm! Am 2. Dezember 2012 wurde die neue Ulmer Synagoge  feierlich eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben. Bundespräsident Joachim Gauck, der israelische Vize-Premier Silvan Shalom, Ministerpräsident Winfried Kretschmann und viel sonstige Prominenz verliehen diesem für Ulm epochalen Ereignis den würdigen Rahmen, den es verdiente. Nachdem die alte Ulmer Synagoge in der Reichspogromnacht 1938 willentlich zerstört wurde, kann die Stadt Ulm jetzt eine neue Seite in ihrer glanzvollen Stadtgeschichte aufschlagen. Unsere Bürgerinnen und Bürger jüdischen Bekenntnisses haben jetzt in Ulm, hoffentlich für alle Zeiten, und nach einer Phase des unwürdigen Provisoriums, ein sicheres und angemessen würdiges Zuhause. Die Ulmer Bürgerschaft kann stolz darauf sein, hat sie doch, ohne nennenswerten Widerspruch, nach finsterer Zeit ein weiteres Stück Normalität zugelassen.

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft, Arbeitsgemeinschaft Ulm/Neu-Ulm (DIG AG Ulm/Neu-Ulm) ist dankbar und fühlt sich durch diese großartige Entwicklung sehr bestätigt. Es war ihr langjähriger Vorsitzender Wolfgang Müller, der die Forderung nach einer neuen Synagoge in Ulm erstmals anlässlich der Gedenkfeier am 9. November 2005 auf dem Ulmer Weinhof in die Öffentlichkeit trug. Er war es auch, der die formalen Vorausetzungen schuf, damit der "Förderverein zur Unterstützung des Baues einer neuen Synagoge in Ulm" am 23. Mai 2007 im Haus der Begegnung gegründet werden konnte. Die DIG AG Ulm/Neu-Ulm hat somit den Zug "Neue Synagoge" auf das Gleis gesetzt, auf dem er am 2. Dezember wohlbehalten angekommen ist.

Aber ohne die zielorientierte Fürsprache und tatkräftige Unterstützung des Ulmer Oberbürgermeisters Ivo Gönner, der von Anbeginn dieses Bauprojekt unterstützte, wäre die Realisierung sicher sehr viel schwerer, wenn nicht sogar unmöglich, geworden. Ivo Gönner hat sich hier bleibende Verdienste erworben. Ihm ist es letztlich auch zu verdanken, dass die neue Synagoge im Herzen des historischen Ulms, unweit dem früheren Standort bis 1938, gebaut werden konnte.

Die DIG AG Ulm/Neu-Ulm wünscht der Ulmer jüdischen Gemeinde eine gute Entwicklung, eine freundschaftliche Zusammenarbeit mit der DIG AG Ulm/Neu-Ulm und dem klugen, fleißigen und pragmatischen Rabbiner Schnoer Trebnik viel Erfolg, eine möglichst glückliche Hand und allzeit Gottes Segen.                                                                                                             
 (Fotos: M. Weise-Mack)

Gemeinsam für Israel - unser Bekenntnis gegen Gewalt und Terrorismus

Zur aktuellen Entwicklung im Nahen Osten stellt die DIG AG Ulm/Neu-Ulm fest:

Die leider wieder erforderlichen Aktionen der israelischen Armee im Gaza-Streifen richten sich ausschließlich gegen terroristische Ziele, von denen in den letzten Monaten Kommandoaktionen und Raketenangriffe ausgingen, die sich ausschließlich gegen die israelische Zivilbevölkerung richten. Diese Anlagen müssen zerstört und unbrauchbar gemacht werden. In diesem Zusammenhang ist auch die Tötung des Hamas-Militärchefs Al-Dschabari zu sehen. Viele Terroranschläge und Raketenangriffe, bei denen Dutzende israelische Zivilisten ihr Leben verloren, wurden von ihm verantwortet.

Wir fordern eine sachgerechte Beurteilung von Ursache und Wirkung dieser eskalierenden Ereignisse. Sie dürfen nicht schon wieder in ihr Gegenteil, also einseitig zu Lasten Israels, verkehrt werden. Seit Jahren leidet die südisraelische Zivilbevölkerrung unter einem massiven Raketenbeschuss aus dem Gaza-Streifen, der sich gezielt und gewollt gegen Zivilisten richtet. In den letzten Tagen wurden mutwillig mehrere hundert Raketen aus Gaza auf Südisrael, vereinzelt auch bis Tel Aviv und Jerusalem, abgefeuert. Es ist die Fürsorgepflicht des israelischen Staates, seine Bürger vor diesen Bedrohungen nachhaltig zu schützen. Israel ist in dieser Auseinandersetzung weder der Aggressor, noch war Israel der ursächliche Initiator der jüngsten Eskalation.

Seit seiner Gründung vor über 65 Jahren musste und muss sich Israel vor dem Terror und den Kriegen wehren und muss sich schützen. Israel hat von Anbeginn nie einen Krieg von sich aus begonnen!

Wir hier in Ulm/Neu-Ulm hoffen, dass dieser Albtraum aus Gewalt und -Terror für die einfachen Menschen bald ein Ende haben wird und wünschen uns für alle Menschen der Region, dass der Weg zum Frieden von der Hamas, im engen Zusammenwirken mit dem Iran, nicht aus  ideologischem Fanatismus unmöglich wird. ALLE Menschen haben in dieser Region das Recht auf Leben in Frieden, Freiheit und Sicherheit.

Wir erklären unsere unverbrüchliche Freundschaft und Solidarität mit Israel, der Heimstatt des jüdischen Volkes und einzigen rechtsstaatlichen Demokratie im Nahen Osten. Wir rufen alle Unterstützer von Frieden und Demokratie dazu auf, in diesen Zeiten an der Seite Israels zu stehen!

9. und 10. November 2012: Trauer um die Opfer - Brücke in die Zukunft

Wie in jedem Jahr fand am 9. November wieder eine Feier zum Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht 1938 statt. Für jeden ermordeten jüdischen Mitbürger wurde eine Kerze entzündet, von denen in diesem Jahr erstmals jede Kerze mit einem Namen versehen wurde. Martin Tränkle, Vorsitzender der DIG Ulm/Neu-Ulm, rief die schlimmen Ereignisse der Reichspogromnacht 1938 in Erinnerung zurück und wies  auf den wieder erstarkenden Antisemitismus hin. Diesen Gedanken nahm Oberbürgermeister und Schirmherr Ivo Gönner auf. Doch er äußerte auch große Freude über die neue Ulmer Synagoge, die, gegenüber dem Schwörhaus auf historischer Stätte erbaut, am 2. Dezember feierlich eingeweiht wird. Zu dieser Einweihung hat die Stadt auch die noch lebenden ehemaligen jüdischen Ulmer Bürger geladen. Sie werden mit ihren Familien kommen und sehen, dass Juden in Ulm wieder eine Heimat haben. So bauen die 212 ermordeten Ulmer Juden symbolisch eine Brücke von der unvergessenen Vergangenheit über die Gegenwart in die Ulmer Zukunft, für die die Ulmer Synagoge eindrucksvoll aber auch mahnend entstanden ist.

In diesem Jahr umrahmten Schülerinnen und Schüler des Humboldt-Gymnasiums die Feierstunde. Es war schön zu sehen, wie viele Jugendliche einbezogen waren: ein großer Chor von 6.-Klässlern - hier hinter Martin Tränkle - sang bekannte israelische Lieder, die älteren verlasen die Namen der Opfer und berichteten über zwei Ulmer jüdische Ärzte, Dr. Ury und Dr. Moos. Sie verloren im 3. Reich ihre Approbation. Dr. Moos  wurde später in Grafeneck vergast, Dr. Ury verstarb in Ulm wegen fehlender medizinischer Hilfe. Ihnen und vielen anderen jüdischen Ärzten ist die Ausstellung im Schwörhaus gewidmet, die im Anschluss an die Feierstunde eröffnet wurde.

Die berühmte Berliner Kantorin Avitall Gerstetter sang ein Lied über die Konzentrationslager und sprach das Kaddish. Ganz herzlichen Dank dafür!

Frau Gerstetter war auch Teil der symbolischen Brücke, denn sie veranstaltete, von Herrn Maihöfer, dem 2. Vorsitzenden des Fördervereins organisiert, am 10. November im Haus der Begegnung ein Benefizkonzert für die neue Ulmer Synagoge. Viele Menschen waren gekommen, um Avitall Gerstetters wunderbar warme Stimme zu hören. Der 85-jährige Wolfgang Marcus schreibt darüber: "Das Konzert von Avitall und ihrer kleinen Truppe - dem Neubau der Ulmer Synagoge gewidmet - war für mich ein Glückserlebnis. Diese jungen, schönen, selbstbewussten jüdischen Frauen - Töchter der neugewonnenen Freiheit ihres Volkes - können unsere müde Konsumgesellschaft vitalisieren... Und wenn sich diese Vitalisierung mit Frömmigkeit verbindet, dann entsteht Glück!" Diesem Eindruck können wir uns nur anschließen.
 




Die Fotos aus dem Benefizkonzert stammen von Susanne Ro.

13.09.2012: Lesung von Andrea von Treuenfeld

In Deutschland eine Jüdin, eine Jeckete in Israel - mit diesem Buch gab die 1957 geborene Autorin 16 jüdischen Frauen eine Stimme, die dem Naziregime entkamen und in Israel eine neue Heimat fanden. Es war ein interessanter, aber auch trauriger Abend mit den Lebensschicksalen dieser Frauen. Erst im Alter durchbrachen sie ihre jahrzehntelange Sprachlosigkeit und berichteten Andrea von Treuenfeld ihre Erinnerungen an Vergangenes und Verdrängtes.

"Es sind sehr persönliche Geschichten, erzählend von einer fröhlichten Kindheit, die mit Demütigungen und Verboten, verhafteten Vätern und verschwundenen Nachbarn abrupt endete. Sie kamen - oft auf abenteuerlichsten Wegen - nach Palästina und wurden dort als "Jeckes" verspottet. Und man misstraute ihnen, denn sie kamen nicht als Zionisten, sondern als Flüchtlinge, und sie sprachen die Sprache der Mörder.

Und doch prägten die Jeckes dank ihrer Disziplin, ihrer Bildung und Tatkraft das Land wie keine andere Einwanderungsgruppe. Über ihre Verluste sprachen sie all die Jahre nie - erst jetzt, im Alter," erklärt die Autorin.

Frau von Treuenfeld las Ausschnitte aus dem Leben der Frauen, von denen Günther Jauch im Vorwort zum Buch sagt: "Es sind nur noch wenige, die Zeugnis geben können. Mögen sie noch lange leben und die Erinnerung an das schrecklichste Kapitel unserer Geschichte aufrechterhalten."

13.6.2012 Silvester Lechner: "Berg Heil" Alpinismus und Nationalsozialismus - eine Beziehungsgeschichte

Dieser Vortrag, den die DIG in Kooperation mit den Alpenvereinssektionen Ulm, Neu-Ulm und Günzburg organisierte, weckte Interesse für die DIG-Fahrt ins Alpine Museum nach München

                   am Sonntag, 16. September  um 9.24 ab Ulm HBF Gleis 25;
                                                               nähere Information erhalten Sie später.

Silvester Lechner, selbst seit vielen Jahren Alpenvereinsmitglied, gab zunächst einen Überblick über die Geschichte des Alpenvereins, die1857 mit der Gründung des "Alpine Club" in London begann. Bald folgte die Gründung des grenzüberschreitenden "Deutschen und Österreichischen Alpenvereins". 1881 wurde der bis heute gebräuchliche Bergsteigergruß "Berg Heil" erfunden und fand schnell breiteste Anwendung. Dieser Titel verweist einerseits auf die Indienstnahme des "Heil" durch die Nazis ab 1923. Er beinhaltet aber auch, dass der Alpenverein ab Ende des 19. Jahrhunderts zu den bürgerlichen Organisationen gehörte, in denen das Ideologien-Gebräu der Nazis vorformuliert wurde.

So war es für die meisten im Publikum neu, dass die Wiener AV-Sektion Austria bereits 1921 den Arierparagraphen einführte. Damit schloss sie 1/3 ihrer Mitglieder, rund 2000 Juden, aus. Erst 12 Jahre später, im Herbst 1933, wurde nach Hitlers "Machtergreifung" der Arierparagraph für alle Alpenvereinssektionen vorgeschrieben.

Auch die Verbindung zu Ulm wurde deutlich, zum Beispiel in der 1934 von den Nazis propagandistisch inszenierten Nanga-Parbat-Expedition. Nachdem der Mt Everest der "Berg der Engländer" genannt wurde, sollte nun der Nanga Parbat der "Berg der Deutschen" werden. Der Ulmer Fabrikantensohn Uli Wieland, geboren 1902, nahm an der Expedition teil und kam am 9. Juli 1934 dabei um. Die Nazis schafften es, diese Katastrophe in "Heroismus" umzumünzen: Bis heute gilt der Nanga Parbat als "Schicksalsberg der Deutschen".

Zwischen 1939 und 1945 kam das wertfreie Bergsteigen fast ganz zum Erliegen, doch auch in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg gaben unzählige alte NS-Funktionäre in den AV-Sektionen den Ton an. Erst jetzt, "nur" 66 Jahre nach dem Untergang des NS-Staates liegt mit "Berg Heil! Alpenverein und Bergsteigen 1918-1945, Köln, Weimar, Wien 1911" ein Werk vor, das in großer Breite alle Aspekte mit wissenschaftlicher Genauigkeit darstellt. Auf dieses bezog sich Silveter Lechner in seinem Vortrag ebenso wie auf  "Hast du meine Alpen gesehen? Eine jüdische Beziehungsgeschichte, Hohenems/Wien 2010".

Seinen Vortrag schloss Lechner mit einigen Zitaten jüdischer Bürger aus "Hast du meine Alpen gesehen", die nachdenklich stimmen. So wird z.B. Robert Schindel, geboren 1944 in Wien, zitiert: "Bisweilen kommt es mir vor, dass die Liebe der Juden zu den Bergen auch damit zusammen hängt, dass diese etwas Egalitäres haben. Die Alpen machen keinen Unterschied zwischen Jud und Christ oder Arier, sie werfen ab, wen sie wollen. Den Unterschied müssen also die Alpenvereine machen, die sich ihre Boden- und Wurzelbezogenheit nicht von Asphaltmenschen, Geldsubjekten und Schriftmurmlern stören lassen wollten." Und Arthur Schnitzler schrieb in Das weite Land: "Der Augenblick auf dem Gipfel oben, der Händedruck, dieser Wahn des Zusammengehörens, dieses ungeheure Glücksgefühl, es war wohl alles nur eine Art von Rausch - Bergrausch."

 

Israeltag, 14.Mai 2012

Auch beim diesjährigen Israeltag war die DIG Ulm/Neu-Ulm in der Hirschstraße Ulm mit einem Stand vertreten. 

Hier einige Impressionen:

















 




Weitere Bilder gibt es hier!






Benefizkonzert für die neue Synagoge 4. März 2012 in der Pauluskirche

JIMLOCH ADONAI - DER HERR IST KÖNIG


Über 100 Menschen waren gekommen, ein ganz besonderes Konzert zu hören. Denn an diesem Abend veranstalteten die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die Evangelische Paulusgemeinde ein Benefizkonzert für die neue Synagoge in Ulm. Der Laupheimer Singkreis unter Leitung von Ludwig Schwedes, ein gemischter Chor von derzeit 28 Mitgliedern, sang in seinem Konzert JIMLOCH ADONAI - DER HERR IST KÖNIG Psalmvertonungen in hebräischer, deutscher, lateinischer und kirchenslawischer Sprache.

Bereits das erste Stück stimmte auf die besondere Situation des gemeinsamen Projektes Synagoge ein: Hineh ma tow umanaim – siehe, wie fein und lieblich es ist, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen. Der DIG-Vorsitzende Martin Tränkle wies in seinen einführenden Worten darauf hin, dass auch in der neuen Synagoge in Ulm, die Ende dieses Jahres eingeweiht werden soll, bald wieder Psalmen erklingen würden. Und er schlug die Brücke zwischen damals und heute: Wir sind dankbar dafür, dass wir in Ulm wieder mit den Brüdern und Schwestern der jüdischen Gemeinde zusammen leben.

Das Konzert, das dann folgte, war fantastisch! Der Laupheimer Singkreis präsentierte sich als ein Chor von höchstem Niveau, dessen disziplinierter Gesang die Pauluskirche als ein Klangkörper erfüllte. Dieser Klangkörper wurde vom Chor hervorragend auf die Musik abgestimmt. Sopranistin Annerose Wanner und Bariton Fidelis Braig traten teils ausdruckstark  solistisch hervor und fügten sich dann wieder einfühlsam in die Gesamtgruppe des Chores ein. Eine solche Harmonie, oft untermalt von den Klängen der Orgel (Andrea Schöttler) hatten viele im Publikum noch selten erlebt. Es war, als ob mit jedem neuen Psalm  das „einträchtige Miteinander“ des ersten Liedes nochmals unterstrichen würde.

Nach 75-minütigem Programm, einer Zugabe und viel Applaus durch das Publikum bedankte sich der Chor mit Oseh Shalom, einem bekannten israelischen Lied: Möge Er in der Höhe uns und ganz Israel Frieden bringen. Wir wünschen uns diesen Frieden auch für Ulm mit unserer neuen Synagoge, die nun auf dem Ulmer Weinhof gebaut wird, wo die am 9. November 1938 zerstörte alte Synagoge stand. Wir wünschen uns diesen Frieden über die in der Presse breit getretenen Querelen hinaus und danken allen, die am Ende des Konzerts für die Synagoge gespendet haben. Der stattliche Betrag von  930,78 € ist zusammengekommen!

Wer die Neue Synagoge  weiterhin finanziell unterstützen will, kann den Betrag direkt auf das Spendenkonto „Synagogenneubau Ulm“ überweisen. Herzlichen Dank!

Sparkasse Ulm
BLZ: 630 500 00
Konto Nr. 211 53 730

Per la Vita – für das Leben - 28.1.2012

Anlässlich des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus fanden auch in Ulm Veranstaltungen statt. Ergreifend war das Konzert von Esther Bejarano, ihren Kindern Edna und Joram und der Gruppe Microphone Mafia am 28.1.2012.
Esther Bejarano ist heute 87 und überlebte den Nationalsozialsozialismus als Akkordeonistin im Mädchenorchester Auschwitz. Es ist ihr Lebensprojekt, sich optimistisch gegen jede Art von Unterdrückung zu stellen, und so singt sie seit den 80er Jahren mit ihren Kindern jüdische und antifaschistische Lieder.
Das ganz besondere Projekt Per la Vita entstand 2009. Die Kölner Rapper Rosario Peppino und Kultu Yurtseven, ursprünglich Immigrantenkinder, suchten Kontakt zu den Bejaranos und entwarfen mit ihnen einen Gegenentwurf zu den Naziliedern, die heute auf den Schulhöfen kursieren: Per la Vita.
Dieser  Wechsel von Rap, rezitierten Texten und gesungenen Melodien aus dem Widerstand und den unterschiedlichen Kulturen der  Gruppe – das ging unter die Haut und begeisterte das Publikum. Die Präsenz von Esther Bejarano erleben zu dürfen, ihre positive und fröhliche Lebenszugewandtheit, und die nächste Generation, wo Menschen aus drei Religionen ihre Botschaft weiter tragen,  war ein ganz besonderes Erlebnis.

Unser Vorstandsmitglied Rolf Emmerich erhält den "German Jewish History Award"


Quelle: Schwäbische Zeitung, 24.1.2012