Gedenkfeier am 9. November 2017



Bild: Südwestpresse, 10.11.2017
Es war wieder eine bewegende Gedenkfeier anlässlich der Reichspogromnacht am 9. November 1938 auf dem Weinhof in Ulm. Zum 79. Mal jährte sich eine der „schlimmsten und umfassendsten Demütigungen, die Ulmer Juden bis dahin erleiden mussten“, sagte Martin Tränkle, zweiter Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Ulm. Er führte durch die Veranstaltung und Herr Oberbürgermeister Gunter Czisch sprach ein Grußwort. Schülerinnen und Schüler des Humboldt-Gymnasiums verlasen die Namen der 212 durch die Nationalsozialisten ermordeten Ulmer Juden und umrahmten unsere Veranstaltung musikalisch. Bis vor wenigen Jahren konnten Zeitzeugen über ihr furchtbares Schicksal während der Nazizeit berichten. Doch nur wenige leben noch, weshalb es zum zweiten Mal die Stolperstein Initiative Ulm übernahm, aus dem Leben und Sterben eines Ulmer Juden zu berichten: Julius Barth wurde am 10. November 1938 mit anderen Ulmer Juden nach Dachau verschleppt und starb dort an systematischen Misshandlungen. Barth war das erste Ulmer Holocaust-­Opfer. Zum Abschluss betete Rabbiner Shneur Trebnik das Kaddisch, das jüdische Totengebet.
Was bleibt ist das Gedenken an die Opfer und das Geschehene und die Verantwortung für eine Zukunft, die den richtigen Schluss aus der Vergangenheit zieht: Nie wieder Antisemitismus, nie wieder Faschismus.

Unsere nächsten Veranstaltungen

Die DIG Ulm/Neu-Ulm lädt in Zuammenarbeit mit dem Katholischen Bildungswerk und der evangelischen Christusgemeinde Ulm-Söflingen zu zwei Vorträgen am 23. und 25.10. 2017 in Ulm-Söflingen ein:

Thema: Christen und Juden - Feinde oder Geschwister? 

Juden und Christen verbindet eine spannungsreiche, oft leidvolle Geschichte. 2000 Jahre Kirchengeschichte waren häufig geprägt von Feindschaft gegen Juden. Diese Last tragen die Kirchen gemeinsam, denn sowohl Päpste wie auch Martin Luther zeigten sich gegenüber den Juden alles andere als christlich. Wie konnte es dazu kommen? Und wo stehen wir heute im Verhältnis der Christen zu Juden? Zwei Abende beleuchten diese Fragen. 

1. „Vom Schweigen der Päpste zur Geschwisterlichkeit“ Über das Verhältnis von Katholiken und Juden  
Von biblischer Zeit an rangen Christen um ihr Verhältnis zum Judentum. Dabei begegneten sie ihren älteren Geschwistern mal offen, dann wieder ablehnend und brutal. Ein Blick auf diese Geschichte, auf die Rolle der Päpste, insbesondere während der Judenverfolgungen und auf die Kehrtwende im Vatikan nach dem Holocaust. 
Montag, 23. Oktober 2017, 19.30 Uhr Ulm-Söflingen, Katholisches Pfarrheim, Harthauser Str. 36 Referent: Dr. Oliver Schütz, Katholischer Theologe und Historiker, Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung Ulm 

2. „Von Luthers Judenfeindschaft zum Dialog“ Über das Verhältnis von Protestanten und Juden Mittwoch, Luthers Judenfeindschaft wirft einen Schatten auf das Reformationsjubiläum. Wie ist diese dunkle Seite des großen Reformators zu verstehen? Welche Spuren hat sie in den letzten 500 Jahren hinterlassen und wie gestaltet sich das Verhältnis der evangelischen Kirche zum Judentum heute?
Mittwoch, 25. Oktober 2017, 19.30 Uhr Ulm-Söflingen, Evangelisches Gemeindehaus, Königstr. 5
Referent: Dr. Michael Volkmann, Evangelischer Pfarrer für das Gespräch zwischen Christen und Juden, Bad Boll 

Veranstalter: Deutsch-Israelische Gesellschaft Ulm/Neu-Ulm, Evangelische Christusgemeinde Söflingen,  Katholische Erwachsenenbildung Ulm

Eintritt frei, anschließend Gespräch.

Lesung von Karl Pfeifer



Vielen Dank an Karl Pfeifer für seine Ulmer Lesung aus dem Buch „Einmal Palästina und zurück“. Die Berichte aus seinem bewegten und engagierten Leben sind auf großes Interesse bei unserem Publikum gestoßen und haben zu angeregten Nachfragen und Gesprächen geführt. Auch Pfeifers aktuelle Auseinandersetzungen mit dem Orbán-Regime in Ungarn und die Einschätzung des dortigen Antisemitismus wurden in der Runde diskutiert.

16.05.2017: Vortrag von Sarah Zoabi und Oliver Vrancovic aus Israel.



Sarah Zoabi ist muslimische Araberin, die sich als Zionistin und israelische Patriotin bezeichnet. Sie erzählte von ihren Beweggründen und sprach über die Anfeindungen, die sie täglich erfährt. Sarah berichtete auch über die wachsende Gruppe in dem arabischen Bevölkerungsteil, der sich der antiisraelischen Stimmungsmache widersetzt und über den Zuspruch für ihre Äußerungen, den sie häufig von jüdischen Israelis erhält.

Oliver Vrankovic, der die letzten Jahre die multikulturelle israelische Gesellschaft erforscht, übersetzte Sarahs auf Hebräisch gehaltene Rede.

Sarah ist gläubige Muslimin und Anhängerin der puristischen Korani-Sekte, die den Juden das Recht auf das »Heilige Land« zuspricht. Nach Sarahs Meinung ist der Nahostkonflikt vor allem ein Religionskrieg. Sie, eine »muslimische Araberin mit Kopftuch«, betonte, dass es den Arabern in Israel gut gehe. Israel stehe trotz des Terrors, dem das Land ausgesetzt ist, für Gleichberechtigung, Menschenrechte und Demokratie. Viele Araber in aller Welt wüssten nicht, dass in Israel eine Million Araber als gleichberechtigte Staatsbürger leben. Sie haben das gleiche Recht auf Bildung, es gibt arabische Oberärzte, Professoren, arabische Parteien und einen arabischen Richter am Obersten Gerichtshof.
 
Ein weiterer Grund für Sarahs pro-israelische Einstellung ist die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau in Israel. Sie setzt sich insbesondere für die gesellschaftliche Teilhabe arabischer Frauen ein. Israelische Frauen aus jüdischen Familien hätten die Freiheit, über ihr Leben selbst zu bestimmen, während die Lebensentscheidungen der muslimischen Frauen immer noch von der Familie getroffen würden, sagt sie. Aber auch hier ändere sich gerade etwas, fügte sie hinzu. Frauen würden mit der Waffe in den Streitkräften dienen und es bei der Armee und in der Polizei zu Befehlshaberinnen bringen. Viele junge arabische Frauen ziehe es in »gemischte« Städte, wo sie freier leben könnten als in der eigenen Community. Die gebildeten und modernen arabischen Frauen in Haifa seien für viele Mädchen ein Vorbild. Aber viele arabische Männer kämen mit dieser Entwicklung nicht mit.

Sarah ist mittlerweile sehr bekannt in Israel. Die NGO »Im Tirzu« lud sie beispielweise in den vergangenen Monaten mehrfach als Rednerin ein und ehrte sie mit einer Auszeichnung für ihren Beitrag zur Integration von Minderheiten: »Sie ist nicht jüdisch, fordert aber Integration aus dem Bestreben heraus, das einzige Land im Nahen Osten zu stärken, das den Bürgern Sicherheit, Menschenrechte und Bürgerrechte bietet. Deshalb müssen wir Sahra in jeder Weise helfen.«

Dieser Meinung schloss sich das Publikum mit großem Beifall an. Ein Zuhörer forderte gar, Sarah müsse vor der UNO sprechen.