Fazit Messerschmid-Vortrag


Chance mal wieder vertan? 
Die lange Fortsetzungsgeschichte könnte ja nun wirklich mal zu einem Ende kommen. Erst hat die Deutsch-Israelische Gesellschaft Arbeitsgemeinschaft Ulm/Neu-Ulm durch ein respektables Presseecho dafür gesorgt, dass zum „Hydro-Apartheid“-Vortrag des Clemens Messerschmid bis zu 100 BesucherInnen gekommen sind. Die einladende Volkshochschule Ulm und der Weltladen haben die ihnen eröffnete Chance wieder vergeigt, sich klar gegen antiisraelische Propaganda zu positionieren. Stattdessen haben sie das „sauber strukturierte Referat“ (so die Pädagogen der Südwestpresse am 17.11.2016) des Brunnenbohrers laufen lassen: Die Palästinenser in der Opferrolle.
Zwar geht das schon jahrelang an der Realität vorbei, in der sich der jüdische Staat permanentem Terror, kriegerischen Attacken, einer unfähigen palästinensischen Selbstverwaltung und einem international dauerhaftem An-den-Pranger-stellen ausgesetzt sieht. Hilft aber nichts, wenn antizionistische Ideologie den vh-Kalender bestimmt.
Aber lassen wir es dabei, auch an Volkshochschulen sind theoretisch Lernprozesse vorstellbar, man soll die Hoffnung nicht aufgeben.

Doch es gibt noch Hoffnung
Lernprozesse, die vielleicht auch Messerschmid durchgemacht hat, denn er scheint gelernt zu haben, dass Kreidefressen vielleicht doch hie und da die richtige Reaktion auf die Realität und die erfolgte Kritik ist. Spricht er an den von uns vorab genannten Stellen  vom legitimen, auch bewaffneten Widerstand gegen Siedler, wozu dann auch die bestialische Ermordung eines 13-jährigen Mädchens zählen muss, schreibt er gern auf der „electronic intifada“ und plaudert gerne fröhlich auf dem „muslim-markt“, so hat er sich diesmal auf sein inhaltlich zwar  falsches aber doch so „sauber strukturiertes Referat“ konzentriert. Interventionen scheinen nicht ganz sinnlos zu sein.

16.11.16 Flugblattaktion vor der VH - Strategie für die Zukunft?

Am Mittwoch, 16. November fand in der VH der Vortrag von Clemens Messerschmid "Bis zum letzten Tropfen" statt, in dem er Israel für die Wasserknappheit in den palästinensischen Gebieten verantwortlich macht. Wir haben recherchiert und herausgefunden, dass Messerschmids "Fakten" nicht korrekt sind. Im Vorfeld hatten wir bereits einen offenen Brief an Frau Dr.  Engels geschickt. Wie so oft nahmen uns Frau Dr. Engels und die SWP nicht ernst. Eine objektive, offene Diskussion in der Presse ist offenbar nicht möglich. 
Doch dem Publikum des Messerschmid-Vortrags wollten wir ermöglichen, unsere Recherchen nachzuvollziehen. Falsches zurecht zu rücken - das ist unserer Meinung nach eine wichtige Aufgabe der DIG.
Vier DIG-Mitglieder verteilten deshalb unten stehendes Flugblatt. Obwohl die Atmosphäre machmal unterschwellig aggressiv war, nahmen doch die meisten Besucher unsere Information an, manche sogar gern. Und es kam zu interessanten Gesprächen bereits im Vorfeld des Vortrags.
Hier nun das Flugblatt:

Sehr geehrtes Publikum des Vortrags von Clemens Messerschmid „Bis zum letzten Tropfen“  

Wir haben dieses Jahr bereits mehrere anti-israelischen Veranstaltungen der VH Ulm kritisiert. Nun findet heute, am 16. November erneut eine Veranstaltung, dieses Mal mit Clemens Messerschmid, statt.
Sie sind hier, weil Sie sich über die Ursachen der Wasserknappheit im Westjordanland informieren wollen.
Unseren Recherchen zufolge berichtet Messerschmid jedoch verfälscht. Bitte überprüfen Sie nach dem Vortrag anhand der angegebenen Links die „Fakten“, über die heute Abend berichtet wird: 

1.  Messerschmid wurde am 14.8.16 in den ARD Tagesthemen als Experte zum Thema Wassermangel im Westjordanland befragt. Er behauptet, den Palästinensern dort mangele es an Wasser, weil die Israelis sie keine Brunnen bauen ließen und das gesamte Grundwasser in der Westbank für sich selbst beanspruchten. Das einzige Problem sei die „israelische Besatzung“, wie er es nennt. Doch diese Behauptungen sind nicht korrekt. Im Beitrag fehlte die Tatsache, dass Israel den Palästinensern mehr Wasser liefert, als in den Verträgen von Oslo Mitte der 1990er Jahre vereinbart wurde, nämlich 143 Liter pro Tag. Messerschmid wies darauf nicht hin (als Experte müsste er das unserer Meinung nach), genauso wenig wie auf die Tatsache, dass die anfallenden Wasserverluste durch die palästinensische Autonomiebehörde zu verantworten sind. Nach dem Bericht hagelte es heftige Proteste. Im Internet sind die Proteste und die Fakten gut recherchierbar.

2.     Messerschmid hat eine klare, gegen Israel gerichtete ideologische Agenda, die er derart offensiv vertritt, dass die Frage erlaubt sein muss, ob das politische Interesse in seinem Fall nicht die wissenschaftliche Erkenntnis entscheidend trübt. So schreibt Messerschmid beispielsweise regelmäßig für die Website Electronic Intifada und er hat dem antizionistischen Islamistenportal Muslim Markt ein Interview gegeben, das zwischenzeitlich auch vom Verfassungsschutz beobachtet wurde:

3.      Messerschmid hat in den Marxistischen Blättern auf dem Höhepunkt der zweiten Intifada 2002 mit ihren zahllosen Selbstmordattentaten 49 Vorschläge „für eine linke deutsche Position“ zum „Nahostkonflikt“ unterbreitet. Dort spricht er vom „Befreiungskampf“ der Palästinenser und findet deren Terror nicht deshalb kritikwürdig, weil dadurch Juden ermordet werden, sondern vor allem, weil er „der Überwindung der Besatzung abträglich“, also kontraproduktiv sei, eine „falsche Botschaft“ übermittle und damit vor allem den Palästinensern selbst schade. Er ruft zum „bewaffneten Kampf“ gegen die israelische Armee „und Siedler in der West Bank und Gaza“ auf. Messerschmid 2002: „Auf palästinensischer Seite sind alle Mittel legitim, die das Ziel des Kampfes Israel und der Welt begreiflich machen und zu »einem Ziel« hinführen: dem Recht auf Selbstbestimmung, dem Ende der Besatzung.“

Diese Art der Berichterstattung aus der so brisanten Region Israel – Palästina ist absolut kontraproduktiv. Wir wenden uns entschieden dagegen! Unser aller Ziel sollte es sein, dass Israelis und Palästinenser in Zukunft in Frieden miteinander leben können. Da ist es nicht hilfreich, Menschen gegeneinander aufzuhetzen, weder im Nahen Osten, noch hier in Europa.

Der Vorstand der Deutsch Israelischen Gesellschaft Ulm/Neu-Ulm     V.i.S.d.P.:  Martin Tränkle 
  

9. November 2016: Gedenkfeier vor der Synagoge auf dem Weinhof und Konzert im Festsaal der Synagoge




Es war eine bewegende Gedenkfeier auf dem Weinhof in Ulm, bei der sich dieses Mal viele Gruppen beteiligten. Der Vorsitzende der DIG, Martin Tränkle, führte durch die Veranstaltung und Herr Oberbürgermeister Gunter Czisch sprach ein Grußwort. Schülerinnen des St. Hildegard Gymnasiums verlasen die 212 Namen der im Holocaust getöteten Ulmer Juden und umrahmten die Feier musikalisch. Unsere Partner von der Stolperstein Initiative Ulm übernahmen es in diesem Jahr, die furchtbare NS-Geschichte durch Stationen und Zitate aus dem Leben eines Ulmer Juden, Dr. Julius Cohn, dem letzten Ulmer Rabbiner vor der Shoah, für die Zuhörer persönlich nachvollziehbar werden zu lassen. Sein Schicksal machte betroffen: Cohn starb 1940 nach Misshandlungen auf dem Weinhof in Ulm in der Reichspogromnacht, obwohl er die Flucht nach Großbritannien geschafft hatte. Es sprach auch Petra Bergmann vom Förderverein Neue Synagoge Ulm. Der Förderverein sammelt für eine neue Thora-Rolle für die Ulmer Synagoge, ein Anliegen, das die DIG Ulm ausdrücklich unterstützt und Sie hiermit um einen Beitrag bittet. Zum Abschluss betete Herr Rabiner Trebnik für die im Holocaust Ermordeten und rief zum Respekt gegenüber allen Menschen, „Minderheiten und Mehrheiten“, auf. Ein besonderer Dank geht an die vielen Besucher aus Politik, Wirtschaft und Sicherheitsbehörden und vor allem aus der Ulmer Bürgerschaft. 
 
Anschließend fand ein Konzert im Festsaal der Synagoge statt. Stela Bunea (Violine) und Almut Schmitt (Gitarre) spielten Stücke älterer und modernerer, auch jüdischer Komponisten. Dieses Konzert gab dem Abend einen nachdenklichen und hoffnungsvollen Abschluss.

Was bleibt ist das Gedenken an die Opfer und das Geschehene und die Verantwortung für eine Zukunft, die den richtigen Schluss aus der Vergangenheit zieht: Nie wieder Antisemitismus, nie wieder Faschismus.

7.11.16 Offener Brief - Pressemitteilung



Liebe Mitglieder und Interessenten der DIG Arbeitsgemeinschaft Ulm,

obwohl die DIG dieses Jahr bereits die zahlreichen anti-israelischen Veranstaltungen der VH kritisiert hat und damit auch die internationale Öffentlichkeit erreichte, findet am 16. November erneut eine Veranstaltung, diesmal mit Clemens Messerschmid, statt.

Messerschmid hat eine klare, gegen Israel gerichtete ideologische Agenda, die er offensiv vertritt.
  
Die DIG geht deshalb mit diesem Offenen Brief an die Öffentlichkeit und fordert, dass die Reihe der unverhohlen hässlichen Propaganda gegen Israel ein Ende findet.


Offener Brief - Pressemitteilung 

Sehr geehrte Frau Dr. Engels, 

am 16.11.2016 spricht  der Referent Clemens Messerschmid im Rahmen einer Veranstaltung der vh Ulm in Zusammenarbeit mit dem Ulmer Weltladen e.V. im Einsteinhaus.

Messerschmid gelangte zu unrühmlicher Bekanntheit als er am 14.8. dieses
Jahres in einem von Markus Rosch verfassten israelfeindlichen Beitrag der ARD-Tagesthemen als sogenannter „Experte“ in Sachen Wasserknappheit im Westjordanland interviewt wurde. Der gesamte Beitrag wurde heftig kritisiert, da er die israelische Seite nicht zu Wort kommen ließ und zudem mit
fragwürdigen und unwahren Behauptungen aufwartete.  Im Beitrag fehlte sowohl die Tatsache, dass Israel den Palästinensern mehr Wasser liefert, als in den Verträgen von Oslo Mitte der 1990er Jahre vereinbart wurde (nämlich 143 Liter pro Tag), ebenso fehlte die Information, dass die anfallenden
Wasserverluste durch die palästinensische Autonomiebehörde zu verantworten sind, da sich die Region, in der der Beitrag entstand in der Verwaltung und damit der Zuständigkeit der PA befindet.  Ein dort stattgefundener Wasserrohrschaden dürfte die Ursache für den im Bericht dargestellten Wassermangel gewesen sein. Häufig kommt es in der Region zu Wasserdiebstahl, bei dem die Rohre beschädigt werden. Zu dem schlampig recherchierten Bericht hatte auch Michaela Engelmaier (SPD) auf der facebook-Seite der Tagesthemen Stellung genommen, wo sie den Film mit scharfen Worten gerügt hatte.
(Zugriff 30.10.2016) Weitere Recherchen und Richtigstellungen stammen von Gerd Buurmann, der Journalistin Antje Schippmann  und anderen. Beispielhaft hier:

Messerschmid behauptet, den Palästinensern im Westjordanland mangele es an Wasser, weil die Israelis sie keine Brunnen bauen ließen und das gesamte Grundwasser in der Westbank für sich selbst beanspruchten. Das einzige Problem sei die „israelische Besatzung“, wie er es nennt. Anschuldigungen und Behauptungen,  denen Haim Gvirtzman, Professor für Hydrologie an der Hebrew University in Jerusalem, der zudem Mitglied im Council der israelischen Wasserbehörde und lange Jahre ein Berater des gemeinsamen israelisch-palästinensischen Wasserkomitees (JWC) war oder Uri Schor, den Sprecher der israelischen Wasserbehörde deutlich widersprechen. Mit beiden hat Antje Schippmann gesprochen (s.o.), und was sie sagen, widerspricht den Thesen Messerschmids fundamental. Die palästinensische Autonomiebehörde weigert sich nicht nur, mit Israel zusammenzuarbeiten (so blockiert sie seit mehreren Jahren Tagungen des erwähnten Wasserkomitees), sie flankiert ihre Untätigkeit zudem auch mit alten antisemitischen Lügen, wie beispielsweise  in der Rede von Mahmud Abbas vor dem Europäischen Parlament Ende Juni, in der er behauptete, dass jüdische Rabbiner zur Brunnenvergiftung aufriefen – frei erfunden übrigens, wie er einen Tag darauf zugestand. 

Das Thema der Wasserversorgung ist längst ein Konfliktthema, das von der palästinensischen Seite mit gezielten Fehlinformationen befeuert wird. Das Ziel dabei sind nicht pragmatische Lösungen, Techniken oder Reparaturen, sondern die Rufschädigung Israels. Der Widerstand der Palästinenser gegen eine Kooperation mit Israel und das Missmanagement der palästinensischen Wasserbehörde sind ursächlich für die Probleme bei der so dringenden Versorgung.  Was macht nun die Interviewpartner solcher Beiträge für Ulm so interessant, wenn ihre Behauptungen nachweislich falsch sind? 

Vom Muslim-Markt zum Ulmer Weltladen e.V. 

Der antiisraelische Aktivist Clemens Messerschmid, in den Tagesthemen noch fälschlicherweise als „Wasserschmid“ bezeichnet, tourt mit seiner Propagandashow zur Zeit durch Deutschland und wird auch in Ulm auf ein andächtig lauschendes Publikum hoffen. Messerschmid hat eine klare, gegen Israel gerichtete ideologische Agenda, die er derart offensiv vertritt, dass die Frage erlaubt sein muss, ob das politische Interesse in seinem Fall nicht die wissenschaftliche Erkenntnis entscheidend trübt. So schreibt Messerschmid beispielsweise regelmäßig für die Website Electronic Intifada (!), hat dem antizionistischen Islamistenportal Muslim Markt ein freundliches Interview gewährt (http://www.muslimmarkt.de/interview/2014/messerschmid.htm, Zugriff 30.10.2016) und in den Marxistischen Blättern auf dem Höhepunkt der zweiten Intifada 2002 mit ihren zahllosen Selbstmordattentaten 49 Vorschläge „für eine linke deutsche Position“ zum „Nahostkonflikt“ unterbreitet. 
 
Der Judenmord als Variable? 

Dort spricht Messerschmid vom „Befreiungskampf“ der Palästinenser und findet deren Terror nicht deshalb kritikwürdig, weil dadurch Juden ermordet werden, sondern vor allem, weil er „der Überwindung der Besatzung abträglich“, also kontraproduktiv sei, eine „falsche Botschaft“ übermittle und damit vor allem den Palästinensern selbst schade. Er ruft zum „bewaffneten Kampf“ gegen die israelische Armee „und Siedler in der West Bank und Gaza“ auf. Auch dieses Jahr waren die Siedler Mordanschlägen ausgesetzt, im Juni wurde ein 13-jähriges Mädchen nachts brutal in seinem Schlafzimmer ermordet. Messerschmid 2002: „Auf palästinensischer Seite sind alle Mittel legitim, die das Ziel des Kampfes Israel und der Welt begreiflich machen und zu »einem Ziel« hinführen: dem Recht auf Selbstbestimmung, dem Ende der Besatzung.“ http://www.wissenschaft-und-frieden.de/seite.php?artikelID=0211(Zugriff30.10.2016) Was im Umkehrschluss bedeutet:  Würde der antisemitische Terror der „palästinensischen Sache“ weiterhelfen, dann wäre er ein durchaus diskutables Mittel. Der Judenmord als Variable?

Messerschmids Plädoyer aus dem Jahr 2002 ist das eines „antiimperialistischen“ Aktivisten, und so ist folgerichtig, dass er sich später islamistischen Portalen, wie dem Muslim-Markt zur Verfügung stellte und noch heute bei antiisraelischen Initiativen von der Schweiz bis nach Bremen Vorträge hält.

Es ist bedauerlich, dass dies auch in Ulm ermöglicht wird und die unsägliche Serie antiisraelischer Veranstaltungen eine erneute Fortsetzung findet.

Wir hoffen, mit unserem offenen Brief möglichst viele potenzielle Besucherinnen und Besucher zu erreichen, denen mit dem Titel der Veranstaltung „Bis zum letzten Tropfen“ die alte Mär verkauft wird, dass ein dürstendes palästinensisches Opfervolk schuldlos unter brutaler Besatzung leidet. 

Zu hoffen wäre, dass die Besucher stattdessen, die unverhohlene hässliche Propaganda der Israelfeinde erkennen. 

Martin Tränkle
1. Vorsitzender
Deutsch-Israelische Gesellschaft,  Arbeitsgruppe Ulm, Neu-Ulm